Gestaltgesetze

In der Gestaltpsychologie geht man davon aus, dass die vom Auge wahrgenommenen Reize gewissen Gesetzmäßigkeiten folgen. Diese werden einerseits vom Auge selbst, aber auch durch physische Vorgänge des Erkennens im Gehirn zu einem logischen Konstrukt zusammengefasst. Diese so genannten "Gestaltgesetze" versuchen zu erklären, wie Menschen visuelle Reize aufnehmen und diese weiterverarbeiten.

Gesetze der visuellen Wahrnehmung

Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert endstand der Wissenschaftsbereich der Gestaltpsychologie. Ursprünglich war er eine psychologische Schule, die sich mit der Theorie „Das Ganze ist mehr als die Summe ihrer Teile“ beschäftigte. Somit wandten seine Vertreter sich gegen die vorherrschenden Theorien der Elementarpsychologie sowie der physiologischen Psychologie. Die Vertreter stellten sich Fragen wie zum Beispiel:

• Was ist eine "gute" Form?
• Wie entsteht der Eindruck einer Form?
• Wie sehen wir Zusammenhänge zwischen Elementen?
• Warum sehen wir Zusammenhänge zwischen Elementen?

Bei der Forschung nach Gesetzmäßigkeiten der visuellen Wahrnehmung stellte man die so genannten Gestaltgesetze auf. Der Begriff Gesetz weist in diesem Fall jedoch nicht auf einen eindeutigen, stabilen Sachverhalt hin, da sich die einzelnen Gesetze zum Teil gegenseitig beeinflussen oder beeinträchtigen können. Es ist somit sinnvoll die Gestaltgesetze als Strukturierungsgesetze zu sehen.
Die Anzahl der Gestaltgesetze schwankt je nach Autor zwischen 7 und 114. Einige der wichtigsten werden hier vorgestellt.

Figur & Grund: Kippfigur

Figur und Grund

Normalerweise können wir die Wahrnehmung von Figur und ( Hinter-) grund trennen.  Wenn die Trennung nicht richtig funktioniert, wird es schwierig. Ein gutes Beispiel ist die so genannte Kippfigur. Wir sehen entweder zwei dunkle Gesichter im Profil, die sich ansehen oder eine helle Vase, je nachdem auf welche Fläche wir uns konzentrieren. Unsere Wahrnehmung springt zwischen diesen beiden Bildern. An diesem Beispiel wird deutlich, dass für ein funktionales Design die Trennung von Grund und Figur einwandfrei funktionieren muss.

Gleichheit

Die gleiche Form ist Grundlage für das Ordnen. Gleiche optische Elemente fasst das  Auge schnell zu einer Gestalt zusammen.
Hier ergibt sich aus den vier Kreisen innerhalb der Quadrate die Form eines Vierecks.

Auch die Farbe bzw. Helligkeit kann für das Zuordnen verantwortlich sein. 

Das Weiß innerhalb der schwarzen Kreise scheint heller zu sein, als das restliche Weiß. Es hebt sich ein helles Dreieck von dem Hintergrund ab.

Nähe: Linien zu Streifen

Nähe

Wenn alle Teile des optischen Ganzen gleich sind, erfolgt die Gliederung im Sinne des kleinsten Abstandes. 

Es formen sich aus 6 gleichen Linien 3 waagerechte Streifen, da sich die nahe beieinander gelegenen Linienpaare zusammenschließen.

Geschlossenheit

Wenn Linien eine Fläche umschließen, werden sie leicht als Einheit aufgefasst. 
Im Vergleich zum vorherigen Bild sieht man hier eher zwei Rechtecke und nicht mehr die 3 Streifenpaare. Hier steht also das Gesetz der Geschlossenheit vor dem Gesetz der Nähe.
Dieses Gesetz ist auch der Grund dafür, warum wir unmögliche Gebilde als Gesamtheit wahrnehmen. Der Grafiker M.C. Escher hat von diesem Phänomen in seinen Arbeiten häufig Gebrauch gemacht.

Erfahrung

Dieses Gesetz basiert vor allem auf Erfahrung.
Das Bild besteht aus 3 winkeligen Linien, trotzdem wird jeder, der das Alphabet beherrscht, auf der Abbildung ein großes „E“ erkennen. Allerdings verschwindet die Wirkung, sobald wir das „E“ drehen.

 


Die Fähigkeit, Räumlichkeit in der 2. Dimension darzustellen sowie abzulesen, ist eine Frage der Erfahrung. Kinder und Mitglider einiger primitiver Völker sind nicht fähig, die Abbildung perspektivisch zu sehen, da sie den geometrisch- optischen Täuschungen nicht erliegen.

Weiter informationen zum Thema Gestaltgestzte liefert Wikipedia hier.



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