Schriftkombination

Bei der Schriftkombination muss Vorsicht geboten sein. Bei dem Masse an möglichen Schriften die heute zur Wahl stehen, ist es nicht einfach Schriften zu finden, die sich problemlos miteinander kombinieren lassen. Wir geben Ihnen hier Anregungen, sich zurechtzufinden.

Die wilde Kombination von Schriften sollte in jedem Fall vermieden werden. Sehr gut eignen sich Schriftsippen, da dort von ein und derselben Schrift die unterschiedlichen Ausprägungen (Antiquas, Serifenbetonte, Serifenlose) genau zueinander passen. Hat man keine Schriftsippe zur Hand, muss eine vorsichtige Auswahl von unterschiedlichen Schriften (bzw. Schriftfamilien) getroffen werden.

Es sollten immer nur wenige Schriften in einem Dokument vorkommen, da das Gesamtbild sonst gestört wird. Die Schriften die gemischt werden, sollten einen ähnlichen Stil haben.

Es gibt drei unterschiedliche Eigenschaften von Schriften.

Erstens die dynamischen, offenen Schriften. Ihre Buchstaben öffnen sich in Leserichtung und unterstützen den Lesefluss, die Buchstaben haben eine gewisse Neigung. Man erkennt sie am besten am kleinen e, dass sich nach rechts hin öffnet.

Zweitens die geschlossenen, statischen Schriften. Sie sind in sich abgeschlossen und öffnen sich nicht in Leserichtung. Sie stehen senkrecht. Man erkennt sie ebenfalls am besten am kleinen e, das sich nach rechts hin schließt.

Drittens die konstruierten Schriften. Sie sehen aus, als wären sie gezeichnet, nicht geschrieben und basieren auf geometrischen Formen. Außerdem haben sie ebenfalls statischen Charakter. 


Alle drei Eigenschaften finden sich sowohl bei Serifenlosen als auch bei Serifenschriften.

Schriftmischung

Bei der Schriftmischung sollte man möglichst nur Schriften aus einer der drei Gruppen nehmen. Z.B. eine Serifenlose die dynamisch ist, zusammen mit einer Antiqua die ebenfalls dynamisch ist.

Das Mischen von Schriften kann – wenn es gut gemacht ist – sehr lebendige Layouts erzeugen. Aber, wie schon oben angesprochen, lassen sich nur ganz bestimmte Schriftkombinationen erstellen, die stilistisch und aufgrund ihrer Formgebung harmonieren. Innerhalb einer Schriftfamilie kann bedenkenlos ein Schriftschnitt mit dem anderen verwendet werden. Zum Beispiel setzt man den kursiven Schnitt als Auszeichnung im Text ein.

Kontrastierende Mischungen unterschiedlicher Schriften, die nicht zu einer Schriftfamilie gehören, erzielen einen guten Effekt. Der Schriftstil sollte jedoch übereinstimmen, besonders bei Lesetexten! Bei Plakatgestaltung kann bewusst ein Mix gewählt werden, der dem nicht entspricht, wenn so ganz bestimmte Aussagen getroffen werden können.

Schriftstil bedeutet, es sollte nur innerhalb folgender Gruppen gemischt werden: Renaissance Antiqua Schriften, Barock- oder auch Übergangs-Antiqua Schriften und klassizistische Schriften.
Auch Kursive und Schreibschriften sollten nicht gemischt werden. Schreibschriften sind eine eigene Gattung, wobei Kursive die schräg stehenden Varianten innerhalb einer Schriftfamilie sind, zu der auch die gerade stehende Schrift gehört.
Die gleiche Schräglage sollte beim Mix innerhalb der Kursiven oder der Schreibschrift beachtet werden.

Die genannten Klassifikationsgruppen (Renaissance Antiqua Schriften, Barock- oder auch Übergangs-Antiqua Schriften und klassizistische Schriften) werden durch die Werkzeuge gekennzeichnet, mit denen sie geschaffen wurden. Um eine Übersicht zu erlangen, geben wir Ihnen hier die grafischen Beispiele für die Gruppen der Serifenschriften:

Renaissance Antiqua (Z.B. Minion)

Sie entstehen mit der Wechselzugfeder (geringere Strichstärkenkontraste und schräge Ansätze bei den Serifen, sowie weiche Übergänge von Serife zum Stamm). Diese wird in einem bestimmten Schreibwinkel gehalten. Dies hat zur Folge, dass dickere und dünnere Stellen entstehen. Der Kontrast zwischen dick und dünn ist hier allerdings nicht sehr stark ausgeprägt. Sie gehören zu den offenen, dynamischen Schriften (Das kleine e ist nach rechts hin offen).
Beim kleinen o zum Beisoiel ist eine nach rechts geneigte Achse erkennbar.

Bild

-          Kleines l hat eine schräg angesetzte Serife

-          Kleines l und das große H haben weiche Übergänge von der Serife zum Stamm

-          Das o ist geneigt

-          Das e ist nach rechts offen

Barock- oder auch Übergangs-Antiqua (Z.B. Times)

Bei dieser Gruppe vollzieht sich ein Werkzeugwechsel. Man erkennt sowohl Merkmale der Wechselzugfeder (geringere Strichstärkenkontraste und schräge Ansätze bei den Serifen, wie auch weiche Übergänge von Serife zum Stamm), als auch charakteristische Züge der Spitzfeder (starker Kontrast zwischen Haarlinien und fetteren Linien, tropfenförmige Abschlüsse).
Zum Beispiel beim kleinen o ist eine leicht nach rechts geneigte, bzw. fast senkrechte Achse erkennbar.

Bild

-          Kleines l hat noch immer schrägen Ansatz, ist jedoch spitzer

-          Kleines o ist weniger geneigt

-          Das e ist geschlossener

-          Beim H erkennt man den größeren Strichstärkenkontrast

-          Das c hat einen Tropfen

Klassizistische Antiqua (Z.B. Bodoni)

Hier ist die Spitzfeder das gewählte Werkzeug. Tropfenförmige Abschlüsse und starke Strichstärkenkontraste herrschen vor. Diese Gruppe gehört zu den statischen, geschlossenen Schriften. (Das kleine e ist nach rechts hin geschlossen)
Beim kleinen o zum Beispiel ist eine absolut senkrechte Achse erkennbar. Besonders bei dieser Schrift erkennt man leicht die allgemein aufrechte Position der Buchstaben.

Bild

-          Starker Strichstärkenwechsel an der Serife beim kleinen l

-          Senkrecht stehende Buchstaben

-          Strichstärkenkontrast fett-fein z.B. bei e und H

-          Tropfen beim kleinen c

-          Die weichen Übergänge der Wechselzugfeder sind verschwunden

Zusammenfassung

Eine serifenlose, dynamische Schrift, die in Leserichtung geöffnet ist, würde also zu einer Renaissance Antiqua passen, die ebenfalls dynamisch und offen ist. Nicht aber zu einer klassizistischen Antiqua die senkrecht steht und sehr statisch wirkt.

Genauere Beschreibungen finden Sie zum Beispiel in dem Buch "Wegweiser Schrift" (siehe rechts!). Interessierte können dort detailierte Informationen und Anregungen finden.

 



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