Der goldene Schnitt

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Das Gesetz der Harmonie

Die Definition und Anwendung des goldenen Schnittes ( lat. sectio aurea) gehen zurück bis in die Antike. Er bietet die Grundlage der klassischen griechischen Malerei, Plastik und Architektur und gilt auch heute noch als eine der wichtigsten Gestaltungsregeln. Schon früh entdeckten die Menschen, dass der Harmonie ein verborgenes Gesetz zugrunde liegen muss – die Maßverhältnisse im Aufbau von Menschen, Tieren und Pflanzen, die Strukturgesetze der Musik, Malerei, Plastik oder Architektur, der wohlproportionierte Aufbau von Kristallen – alles scheint einem geheimnisvollen Zahlenverhältnis zu unterliegen.

Im alten Griechenland glaubten die Menschen, dass die richtigen Proportionen im Leben wie in der Kunst zu Gesundheit und Schönheit führen, so wundert es nicht, dass viele Bauwerke, wie z.B. der Pantheon-Tempel auf der Akropolis in Athen nach den Regeln des goldenen Schnittes gebaut wurden. Der Philosoph Plato lobte das Prinzip des goldenen Schnittes als „die Teilung“, denn gemeint ist ein bestimmtes harmonisches Maßverhältnis zweier Zahlen oder Größen zueinander.

Pantheon Tempel auf der Akropolis
Pantheon Tempel auf der Akropolis

Eine Strecke wird so geteilt, dass sich die Länge der ganzen Strecke zu der größeren Strecke so verhält, wie diese zur kleineren Strecke. Mathematisch ausgedrückt liegt der Wert etwa bei 1: 1,618. Dieses Verhältnis wird meistens mit dem griechischen Buchstaben Phi bezeichnet

Die Formel zur Berechnung des goldenen Schnittes
Die Formel zur Berechnung des goldenen Schnittes

Im Mittelalter und während der Renaissance verkörperte das Prinzip des goldenen Schnittes die göttliche Logik und die Vollkommenheit der Schöpfung. Die so entstehenden Proportionen galten allgemein als besonders ansprechend und harmonisch. So wundert es nicht, dass Künstler dieser Epoche, in der die Rückbesinnung auf die ästhetischen Lehren der alten Griechen eine „Wiedergeburt“ (f. renaissance = das Wiedererwachen, die Wiedergeburt) erlebte, sich verstärkt mit den Regeln der Proportionen auseinandersetzten. In Leonardo da Vincis Zeichnung „Die Proportion der menschlichen Figur“ (1490) entwickelte der Künstler ein System, um den menschlichen Körper nach den Regeln des goldenen Schnittes zu teilen. Dabei bezog er sich auf die Proportionslehre des römischen Architekten Vitruv ( 27 v.Chr.). "Den Körper des Menschen hat die Natur so geformt, dass das Gesicht vom Kinn bis zum oberen Ende der Stirn und dem unteren Rand des Haarschopfes 1/10 beträgt, die Handfläche von der Handwurzel bis zur Spitze des Mittelfingers ebensoviel, der Kopf vom Kinn bis zum höchsten Punkt des Scheitels 1/8..... Vom unteren Teil des Kinns aber bis zu den Nasenlöchern ist der dritte Teil der Länge des Gesichts selbst, ebensoviel die Nase von den Nasenlöchern bis zur Mitte der Linie der Augenbrauen. Von dieser Linie bis zum Haaransatz wird die Stirn gebildet, ebenfalls 1/3 ...." Zitat Leonardo da Vinci

Proportionsschema der menschlichen Gestalt nach Vitruv" von Leonardo da Vinci (1485/90, Venedig, Galleria dell' Accademia)
Proportionsschema der menschlichen Gestalt nach Vitruv" von Leonardo da Vinci (1485/90, Venedig, Galleria dell' Accademia)

Nach der Renaissance schwand das Interesse an der Lehre des goldenen Schnittes in der Kunst, aber im 20. Jahrhundert griffen Künstler wie der Niederländer Maler Piet Mondrian die Proportionslehre wieder auf und konstruierten Werke ganz bewusst nach seinen Regeln.

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